Epilog

Der neue Schwimmstil Porpoise

Der Albatros von Offenbach

Die meisten von uns können vermutlich bereits schwimmen. Beliebte Schwimmstile sind Brust, Kraulen oder gar Rücken. Die wenigsten beherrschen Butterfly, früher als Delphin bekannt. Delphin war die Paradedisziplin von Michael Gross. 1984 bekam der Albatros von Offenbach bei den Olympischen Spielen im Butterfly die Goldmedaille. Nun muß man zugeben, daß Michael Gross für das Delphin~Schwimmen durch seinen athletischen Körperbau geradezu prädestiniert war. Nicht jeder verfügt über eine Spannweite von 2,13 m und hat eine Ausdauer wie ein Olympia~Sieger. Außerdem werden diese Schwimmstile in ruhigen sauberen Schwimmbecken in langen Bahnen ausgeübt. Für das offene Meer mit hohen Wellen sind die benannten bekannten Schwimmstile völlig ungeeignet, insbesondere wenn Haie in der Nähe sind. Diese werden von dem lauten Platschen geradezu magisch angezogen. Etliche Surfer haben bereits Bekanntschaft mit den unfreundlichen Raubfischen gemacht, die keinen Spaß verstehen. Beispielsweise verlor die Profi~Surferin Bethany Meilani Hamilton 2003 bei einem Tigerhai~Angriff ihren linken Arm. Sie hatte liegend auf einem Surfbrett unbekümmert laut platschend gepaddelt und nur mit Hilfe ihrer Freunde den Hai~Angriff überlebt.

Unkenrufe

Ich übe seit geraumer Zeit in dem legendären Schwimmbad, wo der Albatros von Offenbach für seine zahlreichen Goldmedaillen trainiert hat, einen neuen Schwimmstil, den sogenannten Porpoise. Der Porpoise ist ebenso revolutionär wie das von Bruce Lee aus verschiedenen Kampfstilen entwickelte Jeet Kune Do und stellt sozusagen eine Mischform aus Brust, Kraulen und Rückenschwimmen dar.

Unkenrufe wie: "Du bleierne Ente" oder "Holt den sofort raus. Der säuft sonst ab!" habe ich bisher unbeschadet überhört, zumal der Schwimmstil hautsächlich unter Wasser stattfindet. Anyway, der Porpoise ist eigentlich eine Abart des bekannten Seitenschwimmens, welches bereits von Julius Cäsar -übrigens seinerzeits ein exzellenter Schwimmer- praktiziert wurde. Hauptvorteil des Seitenschwimmens ist, daß man extrem lange und vor allem lautlos schwimmen kann und selbst im trüben Wasser die Übersicht behält. Beim Porpoise kommt es also nicht auf maximale Geschwindigkeit an, sondern auf perfekte Technik. Eigentlich geht's beim Porpoise ums nackte Überleben.

The Frog Flow Click me !

Cold Water Survival

Als kaltes Wasser bezeichnet man Wasser unter 20°C. Selbst die besten Schwimmer halten es nicht lange aus in kaltem Wasser. In kaltem Wasser kühlt man etwa 30mal schneller aus, als in trockener kalter Luft. Angestrengtes Schwimmen kühlt Beine und Arme noch schneller aus. Die Überlebenschance sinkt nochmal um 50% für den Schwimmer, der in blanker Panik um sein Leben kämpft und die letzten Reserven möbilisiert. Deshalb sind Neoprenanzüge im kalten Wasser unbedingt notwendig. Aber selbst Neoprenanzüge sind bei Wassertemperaturen unter 17°C nicht mehr ausreichend. Bereits 20 Minuten in kaltem Wasser lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Triathleten lassen bei den Wassertemperaturen die Disziplin Schwimmen einfach weg.

Sämtliches Blut aus den Füßen und Händen wird in kaltem Wasser sofort unterbewußt in das Körperinnere gezogen. Spätestens nach 30 Minuten wird der Schwimmer erst kraft~ und dann bewußtlos. Bereits 2 bis 3°C unter der eigentlichen Körperkerntemperatur von 37 °C bedeuten eine lebensgefährliche Unterkühlung für den eiskalten Schwimmer. Bei der Bergung eines unterkühlten Schwimmers darf man diesen nicht aufrecht setzen, damit das warme Blut aus dem Körperinneren nicht in die Beine absackt. Das könnte den sog. Bergungstod auslösen. Unterkühlte Menschen also am besten flach hinlegen, Beine nach oben un die Füße warm massieren. Ein Mensch überlebt auch mit kalten Füßen. Menschen, die andere Menschen aus kaltem Wasser retten, sollten möglichst die Kleidung anbehalten, um selbst nicht zu schnell auszukühlen. Am besten ist leichte wasserdichte Kleidung.

In der Lebensrettung gilt der Grundsatz:
Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist.


Schon oft wurden Kinder wiederbelebt, die fast 30 Minuten ertrunken waren. Die Kälte hat sie gerettet. Dieser Reflex ist von Walen, Seehunden und Tümmlern bekannt. Unter kaltem Wasser schaltet das Gehirn automatisch auf sauerstoffsparendes Überlebenssystem um.

Bei 25°C kaltem Wasser hält man es noch mehrere Stunden aus. Unter 20°C beträgt die Überlebenszeit im Wasser bereits nur noch max. 1 bis 2 Stunden. Unter 10°C sind es nur noch Minuten, die über Leben und Tod des Schwimmers entscheiden, selbst mit Neoprenanzug. Ist das Wasser zugefroren, muß man natürlich versuchen, sich so schnell wie möglich, auf eine Eisplatte zu hiefen. Dabei sollte man sich flach hinlegen, um nicht wieder einzubrechen. 70 Kg verteilt auf 2 qm halten 1000mal mehr Gewicht aus, als 70 Kg auf 20 qcm.

Wasser unter 10°C löst den sog. Cold Water Shock aus. Gut wenn man dann wenigstens eine Schwimmweste trägt und ans Boot angebunden ist. Im Schockzustand fängt der Schwimmer an, zu hyperventilieren und trinkt reflexartig kaltes Wasser. Die Rettung eines wild um sich schlagenden Ertrinkenden ist schwierig. Wasser, das noch kälter ist, ist per se extrem lebensgefährlich. Der Rekord im Eisbaden in eiskaltem Wasser liegt bei 5 Minuten. Überlebenswichtig beim Eisbaden im eiskaltem Wasser ist, daß man Kopf und Hände über Wasser hält.

The Combat Side Stroke

Das Seitenschwimmen entstand aus der Notwendigkeit für Rettungs- und Kampfschwimmer, möglichst energieschonend und lautlos zu schwimmen und eventuell dabei Material zu befördern oder Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Der Combat Side Stroke wird heute bei den United States Navy SEALs unterrichtet. Die Rettungs~Schwimmer der US Navy müssen selbst bei hohen Seegang im Meer irgendwie überleben und dabei sogar andere in Not helfen. Hauptfeind ist die Kälte des wassers, die unbarmherzig die Lebensenergie entzieht. Dabei gehen die Rettungsschwimmer stets an ihr Limit und extrem hohe Risiken ein. Nur sehr wenige Soldaten bestehen die Prüfung im klaten Naß. Zu den Prüfungen gehört beispielsweise in einer Tonne aus großer Höhe unter Wasser getaucht zu werden und sich dann selbst zu befreien. Dabei ist die Panik der größte Feind. Der Kampfschwimmer muß die Ruhe bewahren, feststellen wo oben ist und innerhalb von 3 Minuten auftauchen.

The Combat Siede Stroke Click me !

Der Porpoise

Der Porpoise ist eine Weiter~Entwicklung des Combat Side Stroke durch den Einsatz moderner Schwimmtechnik. Im Gegensatz zum Combat Side Stroke wird der Porpoise prinzipiell im Neopren-Anzug mit Schwimmbrille ausgeübt. Der Schwimmer trägt überdies Schwimmhandschuhe mit Schwimmhäuten und ggf. Flossen. Der Porpoise~Anzug soll über Infraschall~Sender zur Abwehr von Haien und freilich über einen Not~Ruf verfügen. Denkbar ist auch eine chemische Keule, die Haie abwehrt.

The Combat Siede Stroke Click me !

Beim Porpoise fällt auf, daß dieser asymmetrisch geschwomen wird. Rechtshänder werden ihn vorzugsweise linksliegend schwimmen, obwohl ein regelmäßiger Wechsel auf die andere Seite zur symmetrischen Belastung erfolgen sollte. Der Schwimmstil ist vom finless Porpoise abgeleitet. Dieser schwimmt unbemerkt nahe unter der Oberfläche und dreht sich zum Luftholen auf den Rücken. Nachdem er Luft geholt hat, taucht er bis zum nächsten Luftholen unter, wobei er große Distanzen zurücklegt.

Schwimmen mit Handicap

Durch seine Asymmetrie eignet sich der Porpoise ideal fürs Behinderten~Schwimmen. Menschen mit Handicap können in einem fairen Wettkampf -nämlich dem Freistil- gegen nicht Behinderte antreten und werden nicht mehr alleine deshalb disqualifiziert, weil sie anders schwimmen. Insofern wird durch die offizielle Genehmigung des Porpoise Art. 3 Abs. 3 GG auf einfache Weise umgesetzt.



© 2012 Ralf Steffler. All Rights Reserved.
 The World of modern Physics

... shows You the World of modern Physics